Jugend und Glauben – bei weitem kein Gegensatz!

Wenn ich in Gesprächen nebenbei fallen lasse, dass ich in einer Kirchengemeinde Jugendarbeit mache, gucken mich die Menschen oft ganz schön erstaunt an. Aber warum? Ist das Bild der Jugend in unserer Gesellschaft tatsächlich so gestrickt, dass der Glauben und die Religion im Leben junger Menschen keinen Platz haben können?

Wir Gruppenleiter haben ganz unterschiedliche Gedanken zum Thema „Glauben“. Dennoch verbindet uns unser Glauben in einer ganz besonderen Weise. Jeder von uns empfindet beim Glaubensbekenntnis etwas anderes als ganz besonders wichtig. Und würden wir nur die Stellen laut sprechen, die jedem einzelnen von uns wichtig sind, wären manche Zeilen laut, andere nur leise zu vernehmen.

Beim Glauben kommt es nicht darauf an, jedes einzelne Wort, das in der Bibel geschrieben steht, für wahr zu betrachten, sondern darauf, dass man aus seinem Glauben Kraft schöpfen kann. Was wir Gruppenleiter gemeinsam haben und was uns wichtig ist, ist, dass wir den Glauben, ganz egal wie er im Detail beim Einzelnen aussehen mag, an die Jugendlichen weiter geben möchten. Dabei hat jeder von uns seine ganz eigene Art, und gerade diese Vielfalt macht unser Team und unsere Arbeit so einzigartig. Mit dieser Vielfalt möchten wir den Jugendlichen helfen, ihren eigenen Glauben zu finden und ihn für sich zu definieren.

Glauben ist einzigartig – genauso wie die Menschen dahinter!

Jugend und Gemeinde – eine Utopie?

Jugend und Jugendarbeit innerhalb der Gemeinde ist bestimmt keine Utopie, sondern ein Faktor, den wir stolz zeigen dürfen. Unsere Ideen, Wünsche und Forderungen sind manchmal etwas zu hochgegriffen. Ist es aber nicht das, was Jugend ausmacht? Sich Ziele zu setzen, die in dem gewünschten Maße nicht zu erreichen sind und dennoch voller Enthusiasmus angegangen werden. Mit Corinna Pollehn, die aus unseren Reihen kommt, haben wir jetzt jemanden, der diesen Enthusiasmus in die Gemeindeleitung tragen kann.

Jugend bedeutet: Selbstfindung und Ausprobieren. Mit Sicherheit ist das nicht immer einfach. Geduld, Verständnis und ein zwinkerndes Auge seitens der Älteren sind wichtig, wenn morgens um 9 Uhr kein Jugendlicher wach ist und munter Tische aufbaut.

ERNA-Gottesdienste, T-House, Freizeiten – darauf sind wir stolz und wir sind froh, diese Gestaltungsfreiheiten vom KGR zu bekommen! Langsam erreichen wir einen Punkt, an dem wir auch von Junggebliebenen Besuch im ERNA bekommen. Für uns bedeutet das Bestätigung! Es mag nicht immer so ’rüberkommen, aber wir freuen uns, wenn Ältere dabei sind, unsere Texte und Ideen von Glaube und Welt hören, nach unserer Meinung fragen, uns loben oder kritisieren – alles Zeichen, dass wir Teil der Gemeinde und wertgeschätzt sind.

Trotzdem gibt es Ecken, wo wir uns als Jugend mehr Unterstützung wünschten. Wir wünschen uns als Repräsentanten der Johanneskirche mehr Teilhabe an Gesprächen und Gemeindefesten: wir mit gelben Brillen, die restliche Gemeinde mit blauen. Ziel sollte es sein, die eigene Brille abzunehmen. Das heißt, nicht alles als fremd und anders zu betrachten, sondern Gemeinsamkeiten zu finden; Neues annehmen und dem Alten nicht kritisch gegenüber zu stehen, aus dem Gelb und Blau ein gemeinsames Grün zaubern.

Jemanden, der genau diesen Blick schon hat, hoffen wir in Anton Knuth gefunden zu haben: einen Förderer zwischen den unterschiedlichen Menschen und Gruppen, der uns klare Linien zeigt und uns unterstützt. Von ihm erhoffen wir uns zum Beispiel, dass er unseren Wunsch, das T-House umzugestalten, aufgreift und uns dabei hilft, den Kirchengemeinderat für unsere Ideen zu begeistern. Wir alle befinden uns in beruflichen oder schulischen Ausbildungen. Ehrenamtlich in der Kirche zu arbeiten bedeutet als Jugendlicher, sich immer wieder zu rechtfertigen und zu erklären, dass keiner von uns jeden Tag die Bibel liest, dass das auch nicht der Mittelpunkt unseres Handelns ist. Wir wollen eine Gemeinschaft, die im besten Falle Generationen verbindet, in der wir uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam unseren Glauben leben können. Dazu gehört auch das gemeinsame Musizieren. So singen wir mit unseren Konfis bei Andachten sowohl klassische Gottesdienstlieder als auch christlichen Pop, Gospel und moderne deutsche Musik. Wir singen und musizieren mit Freude, Spaß, Ernsthaftigkeit und Nachdenklichkeit. Ein Keybord wäre gut, das wir auf Freizeiten mitnehmen könnten und außerdem würden wir gerne mehr mit unserer Kantorin Petra Müller zusammenarbeiten, um von ihren Erfahrungen profitieren zu können. In einem Lied, das wir mit unseren Konfis singen, heißt es:

„Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen!“

Ja, das wollen wir!

"Woran ich glaube!"

Sonntags in der Kirche beten wir das Glaubensbekenntnis und jeden Sonntag klingt es gleich. Aber stimmt für jeden von uns wirklich alles, was wir darin sagen? Wir Gruppenleiter erarbeiten mit den Konfirmanden häufiger eigene Glaubensbekenntnisse und haben selbst auch schon oft eigene geschrieben. Meines lautet: 

„Ich glaube an Gott, unseren Schöpfer und Beschützer. Ich glaube an seine Kraft und Stärke, die mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Ich glaube an seine Stimme, die mich in schwierigen Situationen leitet und daran, dass er mir meine Fehlentscheidungen vergibt. Er wird mir solange helfen, wie ich ihm vertraue und mich leiten und führen, so gut er kann, bis er mich zu sich ins Himmelreich nimmt. Ich glaube fest daran, dass Gott alle Sünden vergibt, die ehrlich bereut werden und fühle mich sicher mit seiner Hand über mir.“

Ganz unterschiedlich sind diese Bekenntnisse geworden. Lara Seegers lautet: 

„Ich glaube an Gott, der seine schützende Hand über mich hält und über alles, was er geschaffen hat. Der Jesus Christus gesandt hat, um Wunder zu vollbringen und der Mut und Hoffnung in die Welt getragen hat. Ich glaube, dass Gott unsere Sünden sieht und sie vergibt, dass er jeden Menschen so nimmt, wie er ist. Ich glaube, dass Glauben eine Zuflucht sein kann. Ich glaube, dass die Gemeinschaft der Glaubenden Kraft schenkt, Liebe verbreitet und ein Licht in die Welt schickt.“ 

Aus unserer Erfahrung verändern sich diese Glaubensbekenntnisse bei jedem Einzelnen mit der Zeit, aber meistens bleiben einige wichtige Zeilen und vor allem die Kernaussagen gleich. Und wie ist es bei Ihnen? Woran glauben Sie? Und war das immer schon so, oder hat sich das auch schon ’mal verändert?